Über die Objekte

„Industriell gefertigte Gegenstände kann man wie Stanislav Lem als „geronnenen Verstand“ bezeichnen, sind sie doch ausschließlich artifizielle Produkte, Resultate menschlichen Erfindungsreichtums, die sich nunmehr in der Massenproduktion zu verselbstständigen beginnen. Wenn ich derartige Gegenstände aus ihrem Nutzbarkeitskontext herausnehme, entfalten sie eine eigentümliche Faszination. Es sind sozusagen Gedankenfragmente, mit denen ich in einen Dialog trete und die mir durch meine aktive Einwirkung neue oder erweiterte Zusammenhänge vermitteln.

Die technischen Assoziationen, die einerseits durch die Industrieprodukte selbst, andererseits durch meine Plexiglaszeichnungen hervorgerufen werden, lassen sich nicht  präzise zuordnen. Ganz im Gegensatz zu der perfekten Genauigkeit der funktionalen Maschine, sind meine Arbeiten ganz bewusst ungenau. Keine Linie ist mit dem Lineal gezogen und die Plexiglasscheiben sind mit Drähten in einem fragilen und veränderbaren Geflecht verbunden. Mit dieser „Unschärferelation“ stelle ich die Rationalität der Technik in ein Spannungsverhältnis zur Emotion, zur Irrationalität, zur subjektiven Empfindung. Ich bin zwar fasziniert von der technischen Perfektion, doch ich will keine technischen Vorgänge illustrieren, sondern beschäftige mich mehr mit der dahinter liegenden Dynamik, dem Prinzip Wissenschaft.

Nicht die Vollendung, sondern der skizzenhafte  Prozess der Suche interessiert mich, die Entstehung der Gedanken, das Abenteuer, nicht zu wissen, wie die Suche weitergeht, kurz gesagt: Die Neugier. Und damit sind wir bei der Wissenschaft, die durch die Neugier vorangetrieben wird und die in der Neugier, in der Fragestellung nach dem Sinn, ihren Ursprung hat. Was ist es, was uns zu diesen Fragen, dieser Neugier treibt? Sind wir überhaupt Herr des Geschehens oder handelt es sich bei dieser Dynamik um einen evolutionären Vorgang? Die Tatsache, dass die Maschinen beginnen, ein Eigenleben, eine künstliche Intelligenz, zu entwickeln, könnte darauf hinweisen, dass auch wir nur ein Bindeglied in der Evolution sind: Vielleicht sogar der Steigbügelhalter für das nächste Glied in der Kette: Die Maschinen. Denn am Ende ist doch alles Natur, auch unser Gehirn und damit auch unsere Gedanken und auch deren Produkte. Der Gegensatz zwischen Natur und Technik wird damit aufgehoben.

Was mir bleibt ist eine gewisse ironische Distanz, ein spielerischer Umgang mit wissenschaftlichen Zitaten und eine kreative Freude an Formen und Farben. Dabei ist der Zufall die dynamische Kraft, von der ich mich leiten lasse und der ich vertraue. Die Gegenstände sind Fundstücke, die mir durch Zufall in die Hände fallen.  Die Zeichnungen auf Plexiglas stammen aus meinen vielen Skizzenbüchern, in denen ich alles aufzeichne oder einklebe, was mir ins Auge fällt. Spontan und willkürlich treffen die verschiedensten Dinge aufeinander. Gerade diese Willkür ist wichtig. Ich arbeite schnell, um meine „vernünftigen“ Kontrollinstanzen zu überlisten.

Vor allem im Ungewollten kann ich das Überraschende und das Rätselhafte entdecken.“